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Glück hängt bei mir davon ab, ob es den Menschen um mich herum gut geht.  Das klingt Ihnen zu pathetisch? Sie definieren Glück anders? Ja, es gibt Unterschiede im Glauben daran, was einen wirklich glücklich macht, aber Glück selbst scheint universell.

Das sagt zumindest der Niederländer Ruut Veenhoven, Soziologieprofessor und Glücksforscher an der Erasmus Universität in Rotterdam. Er ist Leiter der seit 1999 bestehenden „World Database of Happiness” und Gründer des „Journal of Happiness Studies”. Er muss es wissen, belegen die Niederlande doch seit Jahren einen der ersten Plätze in der Liste der glücklichsten Menschen.

Den ersten Platz belegte vor einigen Jahren der Inselstaat Vanuatu. Vanu-was? Ja, die kleine Inselgruppe im Südpazifik galt vor einigen Jahren in der Rangliste als das glücklichste Land der Welt, obwohl dort nicht der eigene Reichtum oder das Wirtschaftswachstum als Maß aller Dinge gelten, sondern (nur) die Zufriedenheit und das Glück seiner Einwohner. Und das obwohl in Folge der Erderwärmung die Bewohner unter Überschwemmungen, Zyklonen, Küstenerosion, Wasserknappheit und einen steigenden Meeresspiegel leiden.

Eine vielfältige Südsee-Kultur mit einem berühmten Glücksbringer-Symbol. Bei Besuchen bringt man gerne ein lebendiges Schwein als Präsent vorbei. Weil sich das Leben auf der Insel um die Familie und die Gemeinschaft dreht und das Schwein dafür eine hohe symbolische Bedeutung hat. „Schwein haben” ist wiederum ja auch bei uns eine Redensart für „Glück haben”. Auf Vanuatu bekommt man Glück also geschenkt, während dessen wir in unseren Breitengraden glauben, man müsse sich das Glück erarbeiten, dem Glück auf die Sprünge helfen.

Insgesamt eine schöne Metapher für die „Kultur des Schenkens”. Eine Kultur, die das Signal der Achtung und Ehrerbietung gegenüber einer anderen Person zum Ausdruck bringt, die deshalb oft mit der Praxis des Gabentausches identifiziert wird, die der französische Ethnologe und Soziologe Marcel Mauss in seinem 1925 erschienenen Essay sur le don in beeindruckender Weise beschrieben hatte. Er warf in seinem Essay die Frage auf, ob ein vorbehaltloses „Geschenk” grundsätzlich erwidert werden sollte? Oder der Gabentausch die Elementarform des Prinzips der Reziprozität in Gestalt eines Zyklus des Gebens, Nehmens und Erwiderns darstellt?

Mit anderen Worten: Lohnt es sich, anderen zu helfen? Wer hilft, tut dabei doch auch etwas für sich?

Ich denke, dass man gerade mit einer altruistischen Einstellung besser vorankommt. Im Privaten, wie im geschäftlichen Umgang. Jeder von uns kann sich täglich entscheiden, wie wir uns anderen gegenüber verhalten: Nehmen oder geben? Nur auf die eigenen Ziele bedacht sein oder zum Vorteil anderer beitragen?

Von Geber, Nehmer und Tauscher

Erfolgreich sein zum Vorteil aller. Geben und Nehmen – Ein Buch von Adam Grant

Laut Adam Grant ziehen Geber es vor, mehr zu geben und anderen einen Gefallen zu tun, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Geber bringen zum Beispiel Menschen miteinander in Kontakt, er ist Mentor und gibt Ratschläge. Geber sehen sich an, was andere brauchen und überlegen, wie sie ihnen helfen können.

Sie teilen ihr Wissen, ihre Energie und ihre Beziehungen. Sie bauen ein Netzwerk von Kontakten und Verbindungen auf, das Brücken zu anderen Welten und Ideen schlägt. Das Geben ist ein Zyklus und beruht nicht auf direkter Gegenseitigkeit. Geber handeln aus ihrer inneren Stimme, ihrer Überzeugung und mit der Idee, andere Menschen weiter zu bringen – ohne einen eigenen Vorteil zu kalkulieren.

Selbst bin ich davon überzeugt, dass alles Gute irgendwann und irgendwie zu einem zurückkommt: Wer sich einbringt und, ohne ständig den eigenen Vorteil im Hinterkopf zu haben, dem Wohle anderer dient, kann sich am Ende über ernst gemeinte und von Herzen kommende Empfehlungen freuen, die der Karriere wirklich Auftrieb verschaffen, weil sie langfristig wirken.

Nehmer sind das genaue Gegenteil. Sie handeln ausschließlich zum eigenen Vorteil und helfen nur, wenn sie direkten Nutzen daraus ziehen können. Die meisten Menschen sind Tauscher, d. h. sie sind großzügig, wenn die Möglichkeit einer Gegenleistung besteht.

Ein Geber sein, heißt aber nicht zu tauschen und zu erwarten, für jede Leistung angemessen belohnt zu werden. Wer einen direkten Austausch von Gefälligkeiten oder Hilfestellungen erwartet, wird schnell enttäuscht werden und das Prinzip des Gebens schnell wieder aufgeben.

Es ist kein oberflächliches Gutmenschentum, sondern etwas, was unser Miteinander ausmacht und was uns selbst glücklich macht. Das heißt, im Grunde genommen nichts anderes, als dass wir altruistisch handeln können, auch wenn wir als Nebenfolge irgendwann auch mal selbst positive Effekte für uns erzielen.

Wie sehen Sie das? Ist es Glück, Schwein zu haben?

Ich selbst habe es im Buch „Wie die Welt miteinander Geschäfte macht“ förmlich in Stein gemeißelt: Wir müssen lernen, dass das Prinzip des Gebens eben nicht auf unmittelbarer Gegenseitigkeit beruht. Es ist vielmehr eine Art Kreislauf. Ich gebe und irgendwann wird auch mir wieder jemand begegnen, der mir zum Beispiel einen spannenden Geschäftspartner oder einen neuen Job vermitteln kann. Wir sollten nur nicht auf den direkten Austausch warten, werden wir sonst enttäuscht. Das Geben seliger ist als nehmen, und sogar glücklicher macht, ist ja wissenschaftlich untermauert. Oder wie sehen Sie das? Ist es Glück, Schwein zu haben? Und würden Sie Ihr Schwein sogar verschenken?

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About the Author

Der Autor ist Niederländer und hat in seiner beruflichen Laufbahn im Luxusgüter & Schmuckvertrieb u.a. beim Juwelier CARTIER, EBEL Uhren, MOVADO Watch oder JOOP arbeiten dürfen und ist ein erfahrener Profi im Handels- und Empfehlungsmarketing. Hier schreibt er über Empfehlungsmarketing um Neues anzustoßen. Um zu provozieren. Um den Dialog zu beginnen. Schließlich hat Empfehlungsmarketing mehr Facetten als Sie glauben.

 
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