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„Ernsthaft? Wir sollen mit Marshmallows und Spaghetti einen Turm bauen?“ – die Workshop-Teilnehmer schauen sich ungläubig an. Schließlich hatte sich jeder für einen „erwachsenen“ Workshop bei Neijman angemeldet. Stattdessen kommt der jetzt mit so einem Kinderkram.

Seine Erklärung einfach wie überraschend: Auch Erwachsene können ihre Potenziale am besten spielerisch entfalten und so leibhaftig erfahren, wie kluge Koordinierung etwas großartiges schafft. Um die Botschaft zu „begreifen“, das wir Zukunft nur gemeinsam sichern können.

Im Zeitalter der Digitalisierung hängt der eigene unternehmerischer Erfolg nämlich davon ab, wie wir unsere Ressourcen koordinieren können um auch zukünftig im Wettbewerb bestehen zu können – der alte Standardmodus „Wettkampf“ dabei künftig aussichtslos. Weil Wirtschaft kleinteiliger wird und tatkräftiges Miteinander die gefragte Domäne ist. Kleinteilig bedeutet, das mehrere kleine Unternehmen durch kooperative Wertschöpfung wie ein großes Unternehmen agieren können. Da haben alle was von. Wir brauchen keine einzelne Räuberbarone, die global auf allen Kontinenten produzieren lassen und sich jeweils die Orte mit den billigsten Löhnen und niedrigsten Steuern aussuchen auf Kosten der Arbeitsplätze die Verantwortung für das Gemeinwohl vergessen.  Was viele noch nicht wahr haben wollen: Klein- und mittelständische Betriebe werden regelrecht in die Zange genommen. Die Räuberbarone in den Konzernen zerstören echten Wettbewerb und durch die Digitalisierung bleibt kein Job, so wie er war!

Kluge Koordinierung deshalb eine Disziplin, die nach einem Jahrzehnt der Ellenbogengesellschaft wieder – spielerisch – erlernt werden muss.

Man muss ja nicht so weit gehen wie der Digitalromantiker Jeremy Rifkin, der in seinem Buch „Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft“ prophezeit, das bei einer Vielzahl von Unternehmen und Konsumenten sowieso der Besitz von Gütern abnehmen und als einschränkend und altmodisch gelten wird. Und stattdessen das Verlangen nach Eigentum, durch den Zugriff auf Ressourcen im Netzwerk abgelöst wird. Aber es ist generell eine Spitzenidee, wenn jemand eine Ressource hat, die der andere gerade brauchen kann.

Koordiniertes Teilen ist ökonomische Intelligenz: Je besser wir andere an unserer Ressource beteiligen, umso stärker profitieren wir selbst. Dafür müssen wir mutig Grenzen überschreiten und wieder spielerisch lernen, das sich für Wachstumsvorgänge Zellen teilen müssen, um sich zu vermehren.

Auch unsere Ressource Marshmallow und Spaghetti wurde in unserem Fall aufgeteilt: Die eine Hälfte der Gruppe bekam eine Packung ungekochte Spaghetti, die andere Hälfte die Marshmallows. Die sonst bei der bei der „Marshmallow Challenge“ vorhandene Klebebandrolle vom Neijman böswillig weggelassen.

Auf los geht’s los! Meine schelmisch formulierte Aufgabe lautete:

„Jeder Gruppe soll in einem fest definierten Zeitrahmen aus der Ressource Marshmallow oder Spaghetti einen möglichst hohen Turm bauen.“

Schelmisch, weil Neijman das Wort „und“ gegen „oder“ vertauscht hatte!

Worauf natürlich sofort der übliche Impuls der Teilnehmer folgte, alle Möglichkeiten mit seinem Nachbarn zu besprechen um lautstark zu erklären, das die Aufgabe ungerecht sei. Weil Spaghetti schließlich länger als Marshmallows seien. Oder man Spaghetti schließlich nicht wie Marshmallows stapeln könnte. Oder es wurden sofort Glaubenssätze wie: „Das geht bei diesen Vorgaben sowieso nicht“ formuliert, ohne es auszuprobieren. Übrigens garniert mit einem vorwurfsvollen Blick in Richtung Trainer, würde bei der jedem bekannten „Marshmallow Challenge“ ja noch was fehlen – oder?

Von Neijman keine Reaktion! Erst nach dem sich die ersten Teilnehmer/in mit einem gesunden Ungehorsam über die schelmich begrenzende Aufgabenstellung hinweg setzten, kommt ihm ein erstes Lächeln über die Wangen. Statt sich mit Eitelkeiten und Rivalitätskämpfen aufzuhalten  legten einige einfach los  tauschten Marshmallow und Spaghetti aus und probieren mehrere Baustrategien und verspüren kein Bedürfnis, Diskussionsrunden mit dem Trainer zu veranstalten.

Grandios! Machen statt reden, im Spiel und im Workshop die gewünschte Reaktion. Motto: Sei Du selbst die Veränderung, die wir alle brauchen. Und es macht Spaß! Wer sich darauf einlässt, wer richtig mitmacht, kann die Erkenntnisse nicht nur auf Verstandesebene nachvollziehen, sondern auch auf der Gefühlsebene spüren. Nur so kann man tatsächlich merken, was es bedeutet, ein altes Verhalten abzuändern oder ein Neues zu erlernen. Das macht glücklich!

Merke: Neues zu erlernen und sich klug miteinander zu koordinieren wird neben technologischer Innovation zum Schlüssel gesellschaftlicher Entwicklung. Das ist die Chance für Freiberufler, Handwerker und kleinere Unternehmer. Dabei ist das einzelne Genie weniger gefragt, als das echte Miteinander kreativer Köpfe aus unterschiedlichsten Sparten.

Deshalb stelle ich zum Schluß des Artikels die Frage: Wie kann man noch die Fähigkeit zur klugen Koordinierung fördernd? Sind unter meinen Lesern auch Trainer oder Coaches, die Ihre Erfahrung mitteilen wollen? Wie fördert Ihr kluge Koordinierung?

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About the Author

Der Autor ist Niederländer und hat in seiner beruflichen Laufbahn im Luxusgüter & Schmuckvertrieb u.a. beim Juwelier CARTIER, EBEL Uhren, MOVADO Watch oder JOOP arbeiten dürfen und ist ein erfahrener Profi im Handels- und Empfehlungsmarketing. Hier schreibt er über Empfehlungsmarketing um Neues anzustoßen. Um zu provozieren. Um den Dialog zu beginnen. Schließlich hat Empfehlungsmarketing mehr Facetten als Sie glauben.