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Zweifeln Sie nie daran, dass eine kleine Gemeinschaft engagierter Menschen die Welt verändern kann. Man sollte allerdings aufmerksam hinsehen, um die Veränderung wahrzunehmen. Wie beim Einzelhändler Peter Rausch. Lesen Sie seine Geschichte und kommentieren ihre eigene Erfahrung…

Peter Rausch aus Essen-Kettwig verkauft Kamine und Kaminzubehör. Oft gehen Menschen achtlos an solch schönen Geschäften vorbei und werden ihren Wert wohl erst bemessen, wenn sie nicht mehr da sind.

Aufmerksame Bürger erkennen den Leerstand einzelner Geschäfte bereits jetzt als Vorboten des ruinösen Struktur-Wandels und des wegbrechenden Mittelstands. Peter Rausch erlebt den vielfach in den Medien beschriebenen Strukturwandel bereits hautnah. Konzentrationsprozesse durch Filialisten einerseits, einschließlich der Verlagerung von Einzelhandelsaktivitäten auf die „Grüne Wiese”, andererseits der enorme Wettbewerbs- und Preisdruck über unzählige Internet-Portale. Im Ergebnis all dessen spürt er einen immensen Umsatz- und Ertragsdruck. Damit wollte sich aber Peter Rausch mit seinem Kaminstudio Flammenspiel nicht abfinden.

Um ihnen ein Geheimnis zu verraten: Auch Peter Rausch hatte schon mehrfach ans Aufgeben gedacht, es sich aber anders überlegt. Welch Glück. Denn einerseits bereichern solche Geschäfte unsere Innenstädte, andererseits geht es ihm heute besser denn je. Für mich ist er deswegen ein Held. Ein Held ist, wer etwas Neues wagt – ein Gründer eines neuen Zeitalters, der Gründer einer Veränderung, der Gründer einer neuen Methode, der Gründer einer neuen Art zu leben und zu arbeiten.

Um etwas Neues gründen zu können, muss man das Alte lassen und sich auf die Suche nach dem Keim einer Idee machen, die das Potenzial besitzt, diese neue Sache hervorzubringen.

Peter ist ein Held

Peter Rausch ist ein bescheidener Mensch, er würde das niemals so pathetisch formulieren wie ich.

In seiner Wortwahl klingt das so: „Der Einzelhändler heißt halt Einzelhändler, weil er einzeln handelt. Bin ich jetzt ein Held, weil ich mich nicht mehr mit der Entwicklung abfinden wollte? Weil ich nicht wie die anderen in meiner Branche gejammert, sondern etwas getan habe?” Ich erzähle Ihnen seine Geschichte, urteilen Sie selbst.

Grund zu Jammern hatte er eigentlich genug. Denn trotz steigender Werbeausgaben, guter Produkte und exzellenter Beratung betraten immer weniger potenzielle Neukunden sein Ladengeschäft – obwohl er in Essen-Kettwig ein Geschäft in zentraler Lage betrieb. Der Grund ist bekannt: Kunden scheuen sich immer häufiger, in die schlecht erreichbare Innenstadt mit knappem Parkraum zu fahren und steuern stattdessen immer öfter autoorientierte Fachmarktzentren an der Peripherie auf der „Grünen Wiese” an. „Wenn Kunden nicht mehr zu mir kommen, muss ich mich auf den Weg zum Kunden machen”, sagte Peter Rausch. Eine echte Herausforderung, denn zugleich sollte er ja selbst im Geschäft stehen. Sollte er sich teilen?

Spitzenidee, wenn der eine etwa hat, was der andere brauchen kann

Im Bild (Mitte): Geschäftsführer Peter Rausch vernetzt lokale Unternehmer zur regionalen Wirtschaftsförderung

Teilen ist ein wichtiges Stichwort in meinen Seminaren. „Warum muss ein Einzelhändler seine Neukunden-Akquise einzeln betreiben?” Wir erleben derzeit den Boom der Sharing Economy. Und genau dieses Prinzip des Teilhabens kann auch der Einzelhandel nutzen. In jeder Stadt gibt es zahlreiche Betriebe aus unterschiedlichsten Branchen mit direktem Kontakt zu verschiedensten Kunden. „Und wenn der eine etwas hat, was der andere braucht”, frage ich regelmäßig in meinen Seminaren, „warum soll man das nicht einfach zusammenbringen?”

Egoisten wenden ein, das wenn jeder an sich denkt, doch an alle gedacht werde. Kluge Köpfe wissen: Für Wachstumsvorgänge müssen sich Zellen teilen, um sich zu vermehren. Spätestens seit meinem Buch „Wie die Welt miteinander Geschäfte macht“ wissen Sie ja, dass dieser Gedanke nicht neu ist. Die Kultur der gemeinschaftlichen Unterstützung verschiedenster Branchen entspricht der uralten Idee des Medici-Effekts und machte die Kaufleute in Florenz zu wirtschaftlichen Magnaten. Vertreter der unterschiedlichsten Disziplinen trafen sich seinerzeit regelmäßig, tauschten sich aus und inspirierten sich gegenseitig. Voraussetzung für eine derartige Zusammenarbeit damals wie heute: ein gut und stringent organisiertes Netzwerk.

Klug koordiniertes Netzwerk

Peter Rausch hat sich deshalb ein solches Netzwerk mit weiteren Unternehmern aufgebaut. Unternehmern, die mit den gleichen Kunden wie er zu tun haben und ihm nun regelmäßig provisionsfrei neue Kunden für seine Kamine vermitteln. Ich bin sehr stolz, dass ich ihn dabei unterstützen durfte. Peter Rausch würde ergänzen: „Statt noch länger auf die Erfüllung der Polit-Versprechen zur regionalen Wirtschaftsförderung zu warten, haben wir es einfach selbst in die Hand genommen und uns ein auf Gegenseitigkeit basierendes Empfehlungsnetzwerk gebaut.”

Dr. Günter Faltin, Träger des Bundesverdienstkreuz und Pionier des Entrepreneurship inspiriert zum Neukombinieren vorhandener Ressourcen

Das von mir vermittelte Prinzip zur gegenseitigen Unterstützung heißt BNI. Warum BNI? Warum habe ich nicht mein eigenes Netzwerk aufgebaut? Weil ich von Günter Faltin, Autor des Buch „Wir sind das Kapital“  lernen durfte, dass Entrepreneure echte Meister im Neukombinieren vorhandener Ressourcen sind. Laut Faltin sollten wir nicht alle wie gebannt auf Neuentwicklungen starren, sondern bewährtes nutzen und neu kombinieren.

Wenn Sie zum Beispiel versucht waren, in meinem Buch „Wie die Welt miteinander Geschäfte macht“ etwas grundlegend Neues zu finden, wurden Sie bereits nach den ersten Titeln mutwillig enttäuschen. Es gibt in dem Buch nichts Neues. Aber ich habe bestehende Dinge aus einer anderen Sichtachse beschrieben. Und damit enstehen neue Ideen. Wie in der Natur: Sie nutzt ihre Ressourcen doch auch immer mehrfach, in höchst vielfältiger Weise. Und zeigt uns damit, wie wir ökologische Prinzipien in sparsame Ökonomie umsetzen können.

Doch was in der Natur Standard ist, fällt uns modernen Menschen offensichtlich sehr schwer. Es ist für uns eher unüblich, in Kategorien der Mehrfachnutzung zu denken. Das eigene Auto, das eigene Büro, das eigene Ladenlokal sind noch immer selbstverständlich. Obwohl gerade solche Ressourcen mehrfach genutzt würden, könnten – wenn uns das Ego nicht im Wege stehen würde.

Weil wir Dinge allerdings häufig nur für eine einzige Funktion gedacht haben und sie einzeln nutzen, verschenken wir noch zu oft diese Möglichkeiten.

Der Letzte zieht die Tische hoch!

Mehrfachnutzung: Abends werden z.B. zum Netzwerken die Tische des Büro an die Decke gezogen und die Schränke zur Seite gerollt.

In meiner Heimat, den Niederlanden, werden Orte, in denen bekanntlich viele kreative Ideen und Formen entstehen, broedplaatsen, zu Deutsch Brutstätten, genannt. Von daher wenig ungewöhnlich, dass Sander Veenendaal, Chef der Werbeagentur Heldergroen, etwas ausgebrütet hat, das der Faltinischen Idee der Mehrfachnutzung beispielhaft Rechnung trägt.

Für Sander war der Gedanke befremdlich, dass abends überall die Lichter ausgehen und alle Büros leer stehen, bis am nächsten Tag der Erste wieder reinkommt. Das sei doch Platz- und Energieverschwendung. Abends werden deshalb die Tische seines Büros an die Decke gezogen und die Schränke zur Seite gerollt. So entsteht aus dem etwa zweihundert Quadratmeter großen Büro eine Veranstaltungsfläche, die auch von Außenstehenden genutzt werden kann – zum Netzwerken, für Partys, Yoga-Kurse oder Kunstworkshops, Modeschauen oder Festessen. Die Kreativität liegt darin, vorgefundene Ideen auf neue Zusammenhänge anzuwenden: „Es braucht nicht gleich geniale Ideen, grandiose Konzepte, Erfindungen und Patente. Es reicht bereits die Rekombination von Vorhandenem, von Teilen, die wir aus uns längst geläufigen Zusammenhängen übernehmen und sie in einen neuen Kontext stellen können.”

Zurück zu BNI. Sie erinnern sich? Unternehmer vernetzen sich nach einem bewährten System in regionalen Teams, die sich wöchentlich zwischen sieben und acht Uhr dreißig treffen. Für den Einzelhändler Peter Rausch ein perfekter Zeitraum, danach kann er sein Ladengeschäft öffnen.

Jetzt ist Peter Rausch nicht der einzige, der sich nach dem BNI-System klug koordiniert und regionalen Wirtschaftsförderung selbst in die Hand genommen hat. Im deutschsprachigen Raum gibt es 12.000 Unternehmer, die das BNI-System nutzen. Schreiben Sie mal. Was sind ihre Erfahrungen? Was hat sich für Sie verändert, nachdem Sie wie Peter Rausch begonnen haben, das Marketingkonzept von BNI zu nutzen?

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About the Author

Der Autor ist Niederländer und hat in seiner beruflichen Laufbahn im Luxusgüter & Schmuckvertrieb u.a. beim Juwelier CARTIER, EBEL Uhren, MOVADO Watch oder JOOP arbeiten dürfen und ist ein erfahrener Profi im Handels- und Empfehlungsmarketing. Hier schreibt er über Empfehlungsmarketing um Neues anzustoßen. Um zu provozieren. Um den Dialog zu beginnen. Schließlich hat Empfehlungsmarketing mehr Facetten als Sie glauben.