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Menschen zu inspirieren, sich über neue Kontakte ein funktionierendes Netzwerk ergebnisorientiert aufzubauen macht Spaß und ist immer wieder eine Bereicherung. Aber ich muss zugeben: Es ist nicht immer leicht und hält so manche Überraschung bereit – vor allen Dingen, wenn einzelne Egoisten die Balance stören.

Es gibt einen Puppentrickfilm von Christoph und Wolfgang Lauenstein aus dem Jahr 1989 mit dem sinnigen Titel „Balance”. Er gewann 1990 den Oscar als bester animierter Kurzfilm. Der Film macht drastisch deutlich, dass Erfolg nur durch kluge Koordinierung möglich ist. Er lehrt uns, dass es schiefgeht, wenn einer versucht, andere zu dominieren, denn er bringt die Balance ins Wanken.

Wegen der beeindruckenden Wirkung auf die Zuschauer möchte ich Ihnen hier die turbulenten Geschehnisse erzählen. Der Film zeigt fünf menschenähnliche Gestalten, schlanke, hochgewachsene, hagere Männer ohne Kopfhaare, die sich auf einer frei schwebenden, quadratischen Plattform befinden.

Wie Unternehmer, die beginnen, sich zu koordinieren

Im Bild: Frankfurter Unternehmer bei einem ersten Treffen, um sich zu koordinieren, ein Unternehmerteam aufzubauen. Gelingt die Balance?

Im Film tragen die Figuren auf dem Rücken verschiedene Nummern (23, 35, 51, 75, 77), anhand derer man sie unterscheiden kann. Die Nummern könnten für verschiedene Berufssporten stehen.

Bei jeder noch so kleinen Bewegung müssen sie darauf achten, die Balance zu halten, da die Plattform sich sonst neigt und sie ist Nichts stürzen. Der Eindruck von Gefangenen im Straflager drängt sich auf. Oder von fünf Unternehmern, die beginnen, sich gegenseitig Gäste zum netzwerken zu angeln. Hier wird klar: Den Oskar gab es wegen seiner vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten.

Die Gestalten schieben teleskopartige Stäbe aus und angeln von der Plattform.  Einer Figur (51) gelingt es, eine Art Kiste oder Truhe hochzuziehen. Die 51 könnte NEIJMAN sein, der zeigt, wie man erfolgreich und zeiteffizient Gäste einlädt. Könnte aber auch eine Empfehlung sein, ein erster Auftrag, die Interpretationsmöglichkeiten sind hier wirklich vielfältig. Aus dieser erklingt – wie bei einer Spieluhr – leise Musik, wenn man sie aufzieht. Die Musik steht in unserem Fall für erste tolle Kontakte oder dem folgenden Umsatz über geschäftliche Empfehlungen. Die Kiste rutscht sehr leicht auf der Platte umher, sodass die Gestalten mit ihrer Position das Gewicht der Truhe ausgleichen müssen. Schließlich droht die Platte zu kippen – alle würden hinunterfallen.

Offensichtlich möchte jeder die Truhe am liebsten für sich alleine haben. Ein Spiel, bei dem die Balance mit jedem Schritt mehr in Gefahr gerät, bis eine Truhe auftaucht und die fatale Abhängigkeit der Figuren offensichtlich wird: Die Begehrlichkeit und der Egoismus des Einzelnen bringt die Welt aus dem Gleichgewicht.

51 war wohl NEIJMAN mit seinen unbequemene Ratschlägen

In der Folge wechselt die Truhe mehrmals den Besitzer (51, 77, 51, 23, 35, 51). Schließlich kämpfen zwei Figuren (51, 75) miteinander, wodurch 23 die Kiste zufällt, der zur Musik tanzt. Um sie nicht mehr zu verlieren, setzt er sich auf die Kiste und rammt damit 35, der als erster von der Plattform fällt. Bei der nächsten Ausgleichsbewegung rutscht 51 aus und hängt mit beiden Armen an der Platte. 75 stößt 77 um, der sich aber noch fangen kann. 23 rammt 77 mit der rutschenden Kiste derart, dass der von der Plattform fällt. Durch die Ausgleichsbewegung der Plattform nach dem Abgang von 77 verliert dann auch 75 das Gleichgewicht und stürzt ab. 23 rutscht mit der Kiste in eine Ecke der Plattform. Um sie zu stabilisieren, lässt er die Kiste stehen und läuft in die gegenüberliegende Ecke. Dort hängt immer noch 51, der versucht, wieder auf die Plattform zu gelangen. 23 stößt ihn mit einem Fußtritt von der Platte. 51 war wohl NEIJMAN mit seinen unbequemen Ratschlägen.

In der Schlusseinstellung sehen wir, wie sich die Platte mit 23 am einen und der Kiste am gegenüberliegenden Rand im Gleichgewicht befindet. Doch um dieses Gleichgewicht zu halten, muss die letzte Figur (23) auf ihrer Position, weit entfernt von der Kiste, verharren; schließlich verklingt die Musik aus der Kiste.

Hätten sie mal besser kooperiert

Denn der Letzte kann seinen Sieg freilich nicht auskosten: Die Kiste bleibt ihm verschlossen. Würde er sich ihr nähern, verlöre er selbst die Balance. Obwohl es nur ein Puppentrickfilm ist, werden beim Zuschauen die Hände feucht. Der Anblick der fünf Gestalten trägt auch nicht zur Erheiterung der Zuschauer bei. So düster die Geschichte, so strahlend der Erfolg. Hat schließlich jeder sofort die Situation mit seinem eigenen Team, seiner eigenen Umgebung assoziiert. Menschen verstehen sofort, dass die Gestalten wie sie selbst in Balance und in steter Abhängigkeit zu den anderen Team-Mitgliedern stehen und handeln.

Jede individuelle Entscheidung muss von der ganzen Gruppe mitgetragen werden. Im Film funktioniert dieses Prinzip, so lange die berechtigten Wünsche aller Akteure akzeptiert sind. Bis sich einer egoistisch durchsetzt und ein anderer die Arme verschränkt und sich weigert, mitzumachen. Ein weiterer Schritt und der Konflikt eskaliert unweigerlich. „Wenn zwei sich streiten …”, rutscht die begehrte Truhe weiter zum Dritten. Selbst Primaten sind klüger: Warum selbst Affen kooperieren sollten

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Erkenntnis: Wer sich durchsetzt, hat noch lange nicht gewonnen.

Der Filmschluss liefert die Erkenntnis: Wer sich durchsetzt, hat noch lange nicht gewonnen. Eine weitere Erkenntnis des Kurzfilm: Der Einzelne kann sich der jeweiligen Entscheidung des anderen nicht entziehen; er übt durch bloßes Dasein „gewichtigen” Einfluss aus und ist somit jederzeit Bestandteil eines interdependenten Systems im Sinne des Watzlawickschen Axioms „Man kann nicht Nicht-Kommunizieren”. Ebenso wie die Mitglieder einer Gemeinschaft voneinander abhängen, folgt jedes Verhalten physikalischen Naturgesetzen und hat Konsequenzen für alle.

Was denken Sie? Wenn ich frage, ob es denn Sinn machen würde, etwas zusammen zu unternehmen, ein Ziel gemeinsam zu erreichen, ernte ich in der Regel zustimmendes Nicken. Aber warum folgt nach der anfänglicher Euphorie oftmals die Ernüchterung? Ob es an unserer Erziehung liegt? Wie ich im Artikel „Vom Monopoly zur solidarischen Ökonomie“ gefragt hatte?

Einem gesunden Zweifel

Was mich noch mehr interessiert: Wie war bisher eure Erfahrung mit mir? Beim Aufbau eines Unternehmerteams? Oder in einem Workshop dazu? Ich nehme für mich immer einen gesunden Zweifel in Anspruch und überlege ernsthaft, ob es überhaupt noch Sinn macht, über neue Kontakte ein funktionierendes Netzwerk ergebnisorientiert aufzubauen? Hat es bisher überhaupt etwas bewirkt? Bei Dir ganz konkret? Oder unterliege ich einer Art Sozialromantik? Schreibt mir mal, welche Erfahrungen Du mit Rolf Neijman gemacht hast.

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About the Author

Der Autor ist Niederländer und hat in seiner beruflichen Laufbahn im Luxusgüter & Schmuckvertrieb u.a. beim Juwelier CARTIER, EBEL Uhren, MOVADO Watch oder JOOP arbeiten dürfen und ist ein erfahrener Profi im Handels- und Empfehlungsmarketing. Hier schreibt er über Empfehlungsmarketing um Neues anzustoßen. Um zu provozieren. Um den Dialog zu beginnen. Schließlich hat Empfehlungsmarketing mehr Facetten als Sie glauben.