Küssen kann man nicht alleine

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Die Inspiration zu dieser Überschrift stammt von dem wunderbaren Sänger Max Raabe, der das gleichnamige Lied mit seinem Palast-Orchester erfolgreich aufführt. Mir bietet es eine unübersehbare Parallele zur aktuellen Ökonomie, die sich augenscheinlich regelmäßig wiederholt. 

Max Raabe, fotografiert von Frank Eidel

Sänger Max Raabe, fotografiert & Abdruckgenehmigung  von Frank Eidel

Wie kein anderer entführt Max Raabe sein Publikum mit Sprachwitz, Pomade, Frack und Fliege stilvoll in die glorreichen 20er Jahre. Gekonnt spielt er mit dem Flair und den Assoziationen jener Zeit und zeichnet ein wundervolles Bild dieser Blütezeit für Kultur, Mode und Wissenschaft. Völlig zurecht erinnern wir uns an diese Zeit unter dem wohlklingenden Namen „Belle époque”. Sie steht für einen deutlichen Aufschwung von Wirtschaft und Kultur in den europäischen Kernländern.

Insbesondere in Berlin manifestierte sich ein außergewöhnliches Lebensgefühl, geprägt von Glanz, Tanz und freudiger Maßlosigkeit.

Doch das Licht der „roaring twenties” hatte auch seinen Schatten: Glanz und Elend lebten Tür an Tür. Das Ende dieser glorreichen Zeit kam abrupt mit der Weltwirtschaftskrise. „Black Friday” (1927) und „Black Thursday” (1929) sind Tage, die noch immer tief im kollektiven Bewusstsein unserer Gesellschaft verankert sind. Und Geschichte wiederholt sich. Wir alle haben gespannt verfolgt, wie die Politik auf die sogenannte Finanzmarktkrise 2008 reagiert hat, ein Rettungspaket nach dem anderen geschnürt hat. Griechenland – gleiche Reaktion. Scheint bisher ja alles gut zu gehen. Schon, doch wie lange noch? Prognos, eines der ältesten Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Europas, erwartet sogar weiteres Wachstum, ab 2020 damit ein goldenes Jahrzehnt für die deutsche Wirtschaft. Und prognostizieren uns damit eine Neuauflage der „Goldenen Zwanziger” – allerdings mit dem gleichen Ausgang, einem grandiosen Absturz.

Deshalb im Buch „Wie die Welt miteinander Geschäfte macht” mein Versuch einer Analyse: Werden wir das Schreckgespenst der Wirtschaftskrise 100 Jahre später noch einmal erleben? Oder entspringt das Horrorszenario eines zweiten „Black Friday” meiner Fantasie und Schwarzmalerei? Lösen die Rettungspakete das Problem oder nicht? Und vor allem: Was hat das, ob es nun so oder anders kommt, mit Empfehlungsmarketing für uns Unternehmer, Freiberufler und Selbstständige zu tun?

Ich glaube, dass die wahre Ursache der Krise nie wirklich in Angriff genommen wurde. Die Rettungspakete waren nur eine Farce. Sie selbst haben all das auch nur in den Medien verfolgt und haben keine nennenswerten Nachteile gespürt, richtig?

Und doch tobt da draußen, jetzt, da Sie dies lesen, seit Herbst 2008 die schwerste Weltwirtschaftskrise, die von Fachleuten auch als Dollar-Orkan bezeichnet wird. Dieser Sturm macht auch vor Europa nicht halt. Doch in der Mitte Europas, in Deutschland, spüren wir bisher nur wenig davon. Deutschland bisher ein Ort der Ruhe, mitten im Auge des Orkans nichts Ungewöhnliches.

Wir dürfen uns allerdings nicht blenden lassen! Beispiel Griechenland: Deutschland bürgt noch immer mit mehreren hundert Milliarden. Aber die Krise ist für uns ganz weit weg. „Deutschland bürgt” heißt, die deutschen Steuerzahler bürgen. Interessiert uns nicht. Wird schon gut gehen. Immobilienkrise in Irland und Holland? Für uns nicht relevant. Brexit? Nur in Großbritannien herrscht Kater-Stimmung. Die Folgen der Finanz- und Bankenkrise in Italien, Portugal und Frankreich? Nur davon gehört und für uns in Deutschland nicht problematisch. Bei uns herrscht ja Windstille. Nur Tagesschau und Polit-Talks nerven mit den immer gleichen Polit-Statements. Als wenn die das Thema künstlich aufblasen wollten.

Und was sagen die Menschen im Wirtschaftswunderland Deutschland selbst zur Krise, zu der europaweit schleichenden Enteignung von Vermögenswerten für redliche Bürger, insbesondere im Mittelstand? Die Deutschen lassen sich gerne von der Politik beschwichtigen, am liebsten von Mutti Merkel. Wie gerne hören sie, dass die heimische Wirtschaft gesund sei und wir der Krise schon trotzen werden. Höchste Zeit für die nächste Parallele zwischen den 20ern und heute. Während der Krise im Jahr 1929 wiederholte amerikanische US-Präsident Herbert Hoover immer wieder, dass die Wirtschaft im Land gesund sei. Wir wissen, was folgte: der Crash.

Unsere Volksvertreter beruhigen uns heute mit beinahe wortgleichen Aussagen. Wie Hoover seinerzeit versuchen sich die Mächtigen der Welt an Initiativen zur Wiederbelebung der Konjunktur – damals spektakulär erfolglos. Und heute?

Ich glaube, damals wie heute stimmt etwas Grundlegendes in unserem Wirtschaftssystem nicht. Immer mehr Menschen ahnen und spüren, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann. Aber was tun? Jetzt sind Sie dran. Was denken Sie über meine These? Schreiben Sie uns Ihre Meinung im folgenden Kommentarfeld:

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About the Author

Der Autor ist Niederländer und hat in seiner beruflichen Laufbahn im Luxusgüter & Schmuckvertrieb u.a. beim Juwelier CARTIER, EBEL Uhren, MOVADO Watch oder JOOP arbeiten dürfen und ist ein erfahrener Profi im Handels- und Empfehlungsmarketing. Hier schreibt er über Empfehlungsmarketing um Neues anzustoßen. Um zu provozieren. Um den Dialog zu beginnen. Schließlich hat Empfehlungsmarketing mehr Facetten als Sie glauben.